Rundgang durch zwei histrorische Ölmühlen

Der virtuelle Rundgang durch zwei historische Ölmühlen soll die Herstellung von Ölen in alter Zeit erfolgte. Einige dieser Mühlen sind noch heute in Betrieb und erzeugen mit nachhaltiger Energie feinste Öle für Kosmetik und Ernährung.
Das Prinzip ist dabei meist gleich: Ölsaaten werden in der Mühle zunächst zerkleinert und dann in Pressen ausgedrückt, so daß die Flüssigkeit, die Öle, austreten und aufgefangen werden können.
Anstelle heutiger Schneckenpressen waren damals Keilpressen oder hydraulische Seiherpressen im Einsatz und sollen nun vorgestellt werden.
Doch zunächst gilt es, die wichtigsten Ölsaaten vorzustellen.

Früchte aus nicht heimischen Beständen Früchte aus einheimischen Anbauten
Baumwollsamen Walnüsse
Erdnüsse Bucheckern
Ölpalmfrüchte Flachssaaten (Leinöl)
Kokosüsse Hanfsaaten
Oliven Haselnusskerne
Sojabohnen Mohnsamen
Mandelkerne Rapssamen
  Sonnenblumenkerne

Auf weniger wichtigen Ölfrüchte, wie Weizenkeime oder auch Traubenkerne soll hier mal keinen besonderen Wert beigemessen werden, es ist jedoch auch mit den historischen Ölmühlen möglich, daraus Öle zu gewinnen und wird zum Teil auch gemacht. Meist sind diese Öle aber sehr rar und daher auch teurer. Sie werden daher fast ausschließlich für besondere Zwecke benutzt.

Das Verfahren zur Ölgewinnung ist immer gleich und ist bereits seit tausenden Jahren bekannt. Dazu werden die Ölfrüchte zunächst zerkleinert, dann leicht erwärmt um die enthaltenen Öle flüssiger zu machen, um diese dann mit einer Presse aus dem Brei der Ölfrüchte zu pressen.

Ölmühle Mömbris im Kahlgrund
Die historische Ölmühle in Markt Mömbris

Die Ölmühle Markt Mömbris ist eine typische Keilpressmühle mit Wasserantrieb. Sie wurde 1780 zusammen mit zwei Getreidemühlen in der Mühlgasse von Mömbris errichtet, und bediente Einheimische Kunden, aber auch Kunden aus den Nachbargemeinden, ja sogar aus dem angrenzenden Hessen. In der Regel dürften Lein und Rapssaaten verölt worden sein, doch auch Bucheckern und Nüsse, insbesondere Haselnüsse. Letzteres ist zwar nicht genannt, erscheint aber aufgrund der großen Haselnussvorkommen im Kahlgrund durchaus denkbar. In Zeiten des Krieges, so wie nach dem Krieg war die Ölmühle eine Linderung der Not, konnte Sie doch einen wichtigen Rohstoff einfach produzieren und macht daher ein wenig unabhängiger von Lieferungen und Transportwegen. Die Mühle war bis 1954 in Betrieb, mußte doch Aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung den Betrieb einstellen. So verfiel das Gebäude zusehends, bis es dem Neubau der Kahlbrücke 1977/1978 weichen mußte. Zunächst sollte es abgerissen werden, doch ein der Mühle verbundener Heimat- und Geschichtsverein, sowie eine aufgeschlossene Marktverwaltung machten den Erhalt möglich. So wurde das Gebäude 1978 an seinen jetzigen Standplatz unterhalb des Marktplatzes versetzt, und vollständig saniert. Ein neuer Mühlkanal, größtenteils unterirdisch in Rohr verlegt, leitet nun das Wasser der Kahl dem Gebäude zu. Der ortsansässige Mühlenbauer Hugo Bergmann ermöglichte dann auch die Instandsetzung und den Betrieb der Wasserradanlage, ohne das die Mühleneinrichtung in Betrieb sein muß.
Leider hat die Statik des Fachwerks beim Versetzen des Gebäudes gelitten, so daß es nicht mehr möglich ist, die Mühle in Betrieb zu setzen, das Gebäude könnte unter den Vibrationen einstürzen.
Es ist daher nicht mehr möglich, dort Öl zu schlagen.
Für die Ölmühle Mömbris habe ich eine InfoBroschüre und auch eine Info Tafel erstellt. Siehe hier

Im Kollergang der Ölmühle Mömbris wurde unter den schweren, stehenden Steinen das Gut der Ölfrüchte zerkleinert. Ein Schrapper zog das Gut immer wieder vor die rollenden Steine, die auf einer Sandsteinplatte drehten.
Mit dem Schrapper konnte das Gut dann auch schnell in die hölzerne Austragswanne befördert werden, und so über den Auslass entnommen werden.
Das zerquetsche und zermahlene Gut wurde dann in einem Wärmofen erhitzt um die enthaltenen Öle fließfähiger zu machen, und wurde dann in die Presstaschen gefüllt.

Kollergang der Ölmühle Mömbris
Ansicht der Keilpresse der Ölmühle Mömbris

Die zweifache Keilpresse der Ölmühle Mömbris in der Gesamtansicht.
Die hölzernen Stempel werden über die Königswelle vom Wasserrad angetrieben durch Nocken angehoben. Durch Eigengewicht fallen diese herab und wirken auch die Keile der Presse ein. Der hölzerne Presstisch ist mit Eisen ausgeschlagen um die hohen Presskräfte aufzufangen.
Klappen im Boden hinter dem Presstisch ermöglichen das Unterstellen von Gefäßen direkt unter die beiden Pressgruben um das austretende Öl während des Pressvorgangs aufzufangen.
Jede Pressgrube besteht aus zwei Presstaschen, die mit Ölsaatbrei, der sogenannten Maische oder Ölbrei, gefüllt werden. Die Presstaschen sind dabei aus Tierhaargewebe gefertig, im Falle der Ölmühle Mömbris war es auch Kuhschwanzhaar. Dieses Gewebe übernahm auch die grobe Filtrierung der Öle beim Austritt aus dem Ölbrei.

Ansicht der Pressgrube der Ölmühle Mömbris.
Man erkennt auf den Seiten mit den Handfgriffen die beiden Presstaschen, denn die folgen nach innen die beiden Beilagen. Links kommt nun der Lösekeil, erneut eine Beilage und der Presskeil.
Die gefüllten Taschen wurden eingesetzt, der Lösekeil angehoben und der Presskeil zwischen die Beilagen gesetzt. Mit dem Stempel wurde nun der Presskeil eingetrieben und die seitlichen Presskräfte wirken nun auf die Presstaschen, das Öl trat aus und verließ die Pressgrube über den gelochten Boden.
Zum abschluß des Pressvorgangs wurde der Press-Hammer festgelegt und der Lösehammer schlug den Lösekeil ein, der den Presskeil lockerte und freigab, die Grube konnte ausgeräumt werden und neu bestückt werden.

Die bestückte Pressgrube in der Ölmühle Mömbris

Die Keilpressen stellen die ältesten Pressen zur Ölgewinnung dar und konnten auch mittels Handkraft durch Holzhämmer betrieben werden, erst in neuerer Zeit machte man dies durch die Wasser, bzw. Windkraft.
Es gab aber auch Pressen, die nicht mit Keilkräften arbeiteten, sondern wie Weinpressen mittels großer Spindeln in Betrieb gesetzt wurden und den Ölbrei auspressten.
Mit Aufkommen moderner Technik, insbesondere der Hydraulik, konnten die Pressen anstelle mit Spindeln nun mittels hydraulischer Zylinder betrieben werden. Die modernen Seiherpressen sind zum Teil noch heute im Einsatz und mit Pressdrücken von bis zu 400 Kilogramm pro Quadratzentimeter sind dieswe wesentlich effektiver als die alten Keilkressen, die oft nur 15 bis 100 Kilogramm pro Quadratzentimeter Pressdruck erreichen konnten.
Daher möchte ich nun eine weitere, historische Ölmühle vorstellen.

Wasserrad der Ölmühle Walz
Die Ölmühle Walz in Baden-Würtemberg von der Wasserseite aus gesehen

Die Ölmühle Walz in Oberkirch, Baden-Würtemberg, ist eine der wenigen noch produzierenden historischen Ölmühlen des Landes. Es werden eine Vielzahl von Ölsaaten zerkleinert und ausgepresst, die Öle werden in einem kleinen Mühlenladen an der Mühle direkt verkauft. Es lohnt sich, diese Mühle zu besuchen und dem sehr exquisiten Mühlenladen einen Besuch abzustatten und eines der wunderbaren kaltgepressten Öle zu erstehen. Die Ölmühle Walz besitzt auch einen Online Shop, den ich hier gern verlinke, weil ich denke, solche Mühlen sollte man unterstützen.

Shop der Ölmühle Walz

Im Inneren der Mühle wird über das Vorgelege die Kraft des Zuppinger-Wasserrades über Riemen auf die Transmissionen übertragen. Das Wasserrad erzeugt je nach Wasserstand zwischen 15 und 25 kW Leistung, wovon die Mühe nur ca. 12 kW benötigt, der Rest wird in Form elektrischer Energie in das öffentliche Netz eingespeist. Über die Riementriebe werden die Maschinen der Mühlen angetrieben, aber auch der Generator für elektrische Energie.
Es wurden viele der alten Lederriemen durch moderne Treibriemen aus Kunststoffen ausgetauscht.
Selbst unter Vollast ist lediglich das Schlagen der Öpumpe zu hören, nicht aber der eigentliche Wasserkraftantieb. Das Wasserrad selbst erzeugt ein rhythmisch unterbrochenes Rauschen beim Durchgang der Schaufeln durch den Wasserfächer beim Einlauf, läuft aber sonst völlig lautlos.

Das Vergelege verteilt die Kraft des Wasserrades auf die Transmissionen in der Mühle
Transmission zum Antrieb der Maschinen im Mühlenhauptraum

Man sieht sehr schön wie die Kraft aus der Haupt-Transmission auf die einzelnen Maschinen übertragen wird.
Immernoch wird in der Mühle die Kraft des Wasserrades benutzt, die Maschinen anzutreiben. Es ist daher wunderbar, das Rollen und Knarren der Riemen zu hören. Der Kollergang ist zwar moderner, wird aber immer noch über Transmission und Kegelräder angetrieben. Es gibt auch einen Wärmofen mit Rühreinrichtung zum Erwärmen der Ölmaische, denn es gibt in der Mühle nur kaltgepresste Öle. So dürfen die Ölsaaten nicht über 40° C erhitzt werden, um als kaltgepresst zu gelten.
Der Ölbrei wird dann in Tücher geschlagen und in die großen hydraulischen Seiherpressen gefüllt.

Die alten Seiherpressen der Ölmühle Walz werden hydraulisch angetrieben. Die Tücher mit der Ölmaische werden in einem Pressgefäß eingelegt und dann auf den massiven Presstisch gestellt, der Stempel wird eingeschwenkt und fixiert und dann die Hydraulische Kraft wirken lassen. Der Stempel presst nun über eine Druckplatte die Ölmaische in den Tüchern zusammen, über einen Siebeinsatz rinnt nun das Öl auf die Seiherplatte und wird über eine Schüttnase aufgefangen. Das Öl darf dann in einem Gefäß absetzen und wird so völlig geklärt in die Tanks des Mühlenladens gefüllt. Exquititere Öle werden in kleineren Gefässen aufbewahrt und in Weißblechdosen abgefüllt. Auch die normalen Öle werden in Weißblechdosen abgefüllt und im Laden verkauft.

Die alten Seiherpressen der Ölmühle Walz
Neue Seiherpressen der Ölmühle Walz

Die moderneren Seiherpressen der Ölmühle Walz sind kompakter und arbeiten mit höheren Drücken. Sie sind Elektrisch gesteuert und bekommen die Hydraulische energie, als auch die elektrische Energie direkt vom Wasserradantrieb.
Diese Seiherpressen sind nicht mehr schwenkbar und haben daher eine höhere Stabilität. Man erkennt gut im Bild links den Auslass aus dem Presstisch und die bereitgestellten Edelstahl Gefäße zum Auffangen der Öle. Im Hintergrund erkennt man den Kollergang und an einer Obstmühle steht der Inhaber der Mühle Hr. Hättig.
Auf dem Bild ist auch zu erkennen, wie der Presstisch den Pressbehälter gegen den Stempel presst.

Die hydraulische Ölpumpe der Ölpmühle Walz.
Hier kommt die Energie für die hydraulischen Seiherpressen her, und die Ölpumpe wird direkt vom Wasserrad aus angetrieben. Das große Transmisionsrad ist zugleich Schwungrad, an deren Aussenseiten die Kurblens mit den Plaulstangen zu den beiden Hochdruck Ölkolbenpumpen angebracht sind. Die Pumpstöße im Volllastbetrieb lassen den Boden erbeben. Die hydraulische Kraft wird über Leitungen direkt in den eigentlichen Mühlenraum übertragen. Im Hintergrund erkennt man den schwarzen Hauptölbehälter. Wunderbar sind die kleinen Tropföler auf den Lagern der Schwungradachse und des Pleulstangenlagers.
 
Im Antriebsraum wo die Presse steht, ist auch eine eketrische Schrotmühle untergebracht, als hier auch die Säcke mit den Ölsaaten trocken und sauber gelagert werden. Auch die ausgepressten, tellerförmigen Ölpresskuchen werden hier fein säuberlich gestapelt gelagert und von Kunden abgeholt. Die Ölkuchen sind ein beliebtes Viehfutter.

Die Öpumpe der Ölmühle Walz

Da die Ölmühle Walz für die Erzeugung der natürlichen, kaltgepressten Öle nur Ölfrüchte aus biologischem Anbau benutzt und zum Pressen des Öls auch keinerlei Fremdenergie benötig kann hier ganz sicher von einem vollwertigen biologisch-ökologisch, nachhaltig gewonnenem Öl gesprochen werden. Die gesamte Ölerzeugung in der Mühle läuft ohne zusätzliche Energie, da lla für die Ölgewinnung erforderliche Energie rein aus der Kraft des Wassers gewonnen wird. Auch die Elektrische Energie für die Beleuchtung der Mühle und des Mühlenladens wird so gewonnen!
Hier sieht man, daß mit der reinen Energie des Wassers vernünftig umgegangen, Energie für einen Handwerksbetrieb herangezogen werden kann und damit ohne zusätzliche Energie nur allein mit der natürlichen Energie gearbeitet werden kann.
Würden viel mehr solcher Betriebe bestehen, in geschlossener Kette von Erzeuger, Verarbeitendem Betrieb und der Vermarktung, viele ökologisch erzeugte Produkte auch in der Verarbeitung wirklich ökologisch. Denn auch Getreidemühlen können mit ökologisch erzeugtem Getreide mit der Kraft von Wind und Wasser eine Vielzahl von Mehle für lokale Bäckereien produzieren und damit einen kostengünstigen Weg für biologische Lebensmittel und Backprodukte mit direktem Weg zum Kunden ohne lange Wege erlangen. So könnte auch hier die Verarbeitung ökologisch gestaltet werden. So sind nur wenige Bio-Backprodukte auch in der Verarbeitung wirklich bio. Lange Transportwege, Vermahlung in normalen Großmühlen und dann Produktion oft auch Abseites der Verkaufsstellen und damit erneute Transportwege machen diese Produkte oft fraglich für mich.
Die Ölmühle Walz zeigt deutlich, daß es auch anders geht.

Damit ist die Vorstellung historischer Ölmühlen zu Ende. Es gibt wohl nur noch wenige Wassermühlen in diesem Zustand und noch wenige noch im Betrieb. Viele sind kleiner und verfügen nicht über ein Konzept, und noch weniger haben die Möglichkeit wieder in Produktion zu gehen, und das seltenste dürfte wohl der Antrieb über das Wasserrad sein.
Größere Anlagen hatten zumeist eine Turbinen und später wurde auf vollelektrischen Antrieb umgestellt, als auch Keilpressen und Seiherpressen durch moderne Hochdruckplattenpressen oder moderne Schraubenpressen ersetzt worden sind...
Doch gab es einst solche Ölmühlen an vielen Stellen und versorgte damit ein eigenen Absatzraum der Region. Es ist sehr schade, daß man heute dies verdrängt und vergißt. Diese Seite soll dieser wunderbaren Technik ein Denkmal sein.

 
 

Für die Ölmühle Mömbris habe ich einst eine InfoTafel erzeugt, die dann an der Mühle angebracht werden sollte. Dies geschah in Zusammenarbeit mit der Marktverwaltung Mömbris, einfach um Wanderern am Kahlwanderweg das Kleinod der Ölmühle näher zu bringen und die Funktion zu erläutern, auch ohne das man kompliziert erst einen Termin zur Besichtigung im Rathaus ausmachen muß, wo Wochenends meist keiner da ist und daher man die Mühle nicht besichtigen kann.
Leider hat dies nicht funktioniert, die Tafel wurde bis heute nicht angebracht. Eine ähnliche Tafel habe ich dann auch für die Doppelmühle Strötzbach gemacht, deren Bild man auf der Mühlenseite findet. Auch hier ist die Tafel nicht montiert worden.
Noch heute bin ich der Meinung, daß man am Kahlwanderweg von Schöllkrippen bis nach Kahl zu einem wunderbaren Mühlenwanderweg gestalten können. Mit Info Tafeln an jeder Mühle, wie der Sägemühle Königshofen oder der wundervollen Kornmühle Schimborn.
Leider ist man meiner Idee hier nicht gefolgt, obwohl ich angeboten hatte, hier die Info Tafeln kostenlos zu erzeugen, nur der Druck und die Montage wären zu Lasten der Marktverwaltung Mömbris gegangen. Schade.
Daher stelle ich die Infomaterialien hier zur Verfügung, zum Runterladen, die enthalten mehr Bilder und vielleicht hat ja jemand Lust, sich für seine Mühle so eine Tafel machen zu lassen

Solche Tafeln kann man prima drucken, laminieren und dann einfach hinter Plexiglas für viele Monate wetterfest aufhängen, wenn man einen Schaukasten hat, kann man diese soggar dort einhängen und diese bleibt prima sichtbar. Die Luxuslösung ist sicherlich der Druck der Tafel auf Aluminium.

 
 

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