Rundgang durch die histrorische Hammermühle

Der virtuelle Rundgang führt uns nun in das Heimatmuseum Geiserschmiede im Bühlertal des Schwarzwaldes.

Einst säumten viele Hammerwerke die Bäche und Ströme des Landes, und diese sind dann in den Erzreichen Gebieten verbreiteter gewesen als andere Mühlen.
Dabei ist auffällig das es wohl fast ausschließlich Hammerwerke mit Wasserantrieb gibt und davon auch nur wenige nicht mit einem Wasserrad angetrieben werden.
So ist es den auch nicht verwunderlich, daß hier dann die modernsten Wasserräder hier noch anzutreffen sind, welches insbesondere auf die modernen Volleisenräder der Stahlindustrie zutrifft.
Der Antrieb gestaltet sich fast immer identisch: Über eine Nockenwelle vom Wasserrad werden die Hämmer angehoben und fallen durch die Schwerkraft von allein auf den Ambos zurück. Dabei waren nicht selten die Schützklappen der Wasserräder mit einer direkten Betätigung am Hammer versehen, so daß der Hammerschmied das Wasserrad direkt in Betrieb nehmen konnte, wenn er es braucht und wenn er vom Hammer wegging, der Hammer wieder in Stillstand geriet. Man findet daher die Schütze mit dem Sitz am Hammer verbunden, mit einer Fußbetätigten Platte oder auch mit einem leicht gängigen Handhebel. Im Heimatmuseum Geiser Schmiede ist dies nicht der Fall. Hier wurde der Hammer über Transmissionen angetrieben und so durch Verschieben des Riemens auf Los- oder Treibscheibe in Gang gesetzt oder Still gelegt.
Vielen Hammerwerken ist gemein, daß diese keine großen Wasserräder benötigten, es waren meist recht unimposante Räder von recht kleinen Baumaßen, oft nur vielleicht 2 Meter im Durchmesser. Die dabei meist anzutreffenden Leistungen bewegen sich daher meist im Bereich von ca. 8-10 kW, nicht viel, aber für ein Hammerwerk ausreichend.

 

Das Wasserrad der Geiserschmiede hat einen Durchmesser von nur 3 Metern und ist ein mittelschlächtiges Wasserrad. Es findet seinen Platz in der Radstube direkt im Haus der Schmiede. Das Rad ist von aussen nicht zu sehen, noch zu erkennen. Auch der Einlauf des Wassers iost recht unscheinbar, so daß man es leicht übersehen kann. Das Rad treibt nicht nur die Anlagen der Schmiede an, sondern erzeugt über einen kleinen Generator auch Strom für das öffentliche Netz.
Das Rad hat eine mittlere Leistung von ca. 12 kW und liegt damit leicht über den Leistungen, die gewöhnlich an Hammerwerken von den Rädern erbracht werden mußten.
Doch das Rad treibt in der Geiserschmiede nicht bloß einen Hammer an, sondern auch Nebenmaschinen, wie eine Bohrmaschine, eine Schärfmaschine, einen Schleifstein und den Blasebalg für die Schmiede-Esse.
Auch werden die Hämmer nicht direkt von der Welle betätigt, sondern über Vorgelege und Transmissionen

Wasserrad der Geiserschmiede
Transportrad zum Stammeinzug an der Gallussäge

Das Wichtigste an einer Hammerschmiede ist die Esse. Denn alles Metall was geschmiedet werden will, ist zunächst dem Feuer zuzuführen und erst dann kann es geschmiedet werden. Naben dem Ambos am Hammer gibt es in der Geiser Schmiede auch Ambose für normale Handarbeit.
Vor der Esse erkennt man die vielen Hämmer, auch gibt es eine beträchtliche Sammlung von Schmiedezangen und anderen Werkzeugen, die es den Schmieden der Geiserschmiede ermöglichen, alle anfallenden Schmiedearbeiten zu erledigen. Die Esse in der Geiserschmiede ist recht groß, so daß auch größere Stücke zum Glühen gebracht werden können, um diese dann mit der Macht der großen Schwanzhämmer zu formen.

Die beiden Schwanzhämmer der GeiserSchmiede. Im Hintergrund erkennt man das große gußeiserne Kammrad mit seinen über 140 Holzkämmen aus Buchenholz, direkt daneben erkennt man das große Holztreibrad für die Transmission. Links erkennt man wie die Riemen von der Haupttransmission zur Nockenwelle der Hämmer gehen und in der Bildmitte hängt die Betätigungsstange zum An- und Abstellen des Wasserrades.
Beide Hämmer sind im Bild mit Stützen festgelegt.
Schön auch zu erkennen, das massive Fundament, welches die Hämmer trägt und auch die massiven Fundamente der beiden Hammer Ambose. Jeder Hammer ist mit einer eigenen Spitze versehen, die für unterschiedliche Zwecke ausgelegt ist.
Die meisten Hammerwerke haben ähnlich im Innenraum ausgesehen. Hammerwerke sind recht nüchterne Handwerksbetriebe und haben meist nicht das hölzerne, kunst- und schmuckvolle Flair der Getreidemühlen

Die Schwanzhämmer der Geiserschmiede
Schleifstein der GeiserSchmiede

Der große Schleifstein der GeiserSchmiede diente nicht nur zum Schärfen von Sensen und anderen Klingen, auch diente er zum Entgraten von Metallstücken und Formschleifen von Stücken. Gut ist auch die transmissionsgetriebene Bohrmaschine zu erkennen, die direkt von der Kraft des Wassers angetrieben wird. Die hölzerne Werkbank kann sicherlich hunderte Geschichten aus der Schmiede erzählen.
Anzumerken bleibt noch das der Schleifstein in einer Sandsteingrube sich dreht, die beständig mit Frischwasser aus dem Mühlgraben gefüllt wird. Auch das Abkling- und Abkühlbecken wird so mit Wasser versorgt, so daß auch hier eine konstante Temperatur herrschte, für den Schmied sehr vorteilhaft.
Hammerwerke sind Grundlage der Metallverarbeitenden Industrie, der Schwerindustie und des Maschinenbaus. Getrost kann man sie als Vorläufer der Industiealisierung ansehen.

Es gibt nicht viel über Hammerwerke zu berichten, da diese sich alle sehr ähnlich sind Einige sind kleiner, andere sind größer. Sie waren oft auf eine Metallform spazialisiert, wie der Name Kupferhammer als Beispiel vermuten läßt. Einige beschäftigten sich mit Treibarbeiten, zum Anfertigen von Formteilen, andere erledigten komplexe Freiformschmiedearbeiten. So nahmen Hammerwerke mehr und mehr die Formen komplexer Metallverarbeitender Industriekomplexe an, wo neben den Hämmern dann auch Walzwerke und Werkzeugmaschinen angetrieben wurden. Der Wandel der Antriebsart von dann zeitweise riesigen Wasserrädern mit zum Teil mehr als 40 kW Leistung und einem Wasserverbrauch von über 3 Kubimeter pro Sekunde hin zur Dampfmaschine war aufgrund des stetig steigenden Kaftbedarfes dieser Werke absehbar. So ist es dann kein Wunder, daß diese Werke sich vom fließenden Wasser abwandten und freie Industriekomplexe wurden, angetrieben von der Kraft des Dampfes.
Daher sind betriebsfähige Hammerwerke mit Wasserantrieb heute sehr selten geworden und es gibt nur wenige noch, die auch regelmäßig in Gebrauch sind.
Trotzdem lohnt sich auch hier ein Besuch, der uns zu den Anfängen unserer Industriekultur zurück führt.

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