Mühlenstandorte im Stadtgebiet Frankfurt am Main

Oder

Mühlenarchäologie im Großstadtrevier

 

Gehörte es doch früher zum Guten Ton der Stadt oder war sogar nötig um Stadtrechte zu erhalten unterhielten die Städte eigene Mühlenbetriebe. Die eine Stadt übte Ihr Bannrecht auf ausserhalb der Stadtmauern liegende Mühlen aus, andere hatten die Stadtmühle sogar innerhalb der festen Ummauerungen. So treffen wir die Mühlen überall an, wo Ihre Dienste unabdingbar waren und wichtig für das Macht und Geschäftsbestehen der dörflichen oder städtischen Gemeinschaft. War der Müller im dörflichen Leben eine zwielichtige Gestalt und nicht gern gesehen, oft sogar Inhalt von Lieder oder Weisen um seine Betrügerischen Geschäfte und Verschlagenheit, war sein Leben in der Stadt zumindest sofern anders, als das die Obrigkeit der Stadt vorgab, was das Vermahlen kostete und somit wie viel an Müller und Stadt zu entrichten war.

So möchte ich nun über die ehemaligen Standorte von Mühlen im Stadtgebiet Frankfurt berichten. Einst wirklich von vielen Mühlen nicht nur umgeben, sondern viele Mühlenstandorte befinden sich heute im Stadtgebiet. Ich kann nicht alle Mühlen aufzählen und muss mich auf die beschränken, wo heute noch deutliche Reste zu finden sind. Dennoch kann es vorkommen, dass ich den ein oder anderen Standort aus Unkenntnis auslasse, oder vielleicht sogar einen aktiven Betrieb sogar übersehen habe. Daher bin ich für einen Hinweis sehr dankbar, eine e-Mail an mich genügt.

So möchte ich die Aufzählung an die Gewässer knüpfen, weil ich mehr Reste von Wassermühlen gefunden habe, als Reste von Windmühlen. Ja Letztere habe ich nur als Hinweis gefunden, nicht aber mal mehr als Rest, möchte es aber doch erwähnen.

 

Main:

Den ersten Mühlenstandtort finden wir heute am Oberlauf des Mains im Stadtgebiet. Kurz vor der Offenbacher Staustufe finden wir das Ausfluglokal Gerbermühle. Früher hat wohl der Main hier einen Betrieb angetrieben, heute ist davon nichts mehr zu erkennen. Einzig der Name und das Gebäude sind geblieben. Fast gegenüber ist der einzige mir bekannte aktive Mühlenstandort in Frankfurt, im Osthafengelände befindet sich hier die große Industriemühle der Kampfmeyer Mühlen. Weiter Stromab kommen wir nun zur Alten Brücke, wo wohl die berühmteste Frankfurter Mühle Ihren Standtort hatte und noch heute ein paar Grundmauern zu erkennen sind. Die Frankfurter Brückenmühle befand sich auf einer Kleinen Insel am Südufer im Strom. Näher dem Sachsenhäuser Ufer teilte die Insel den Strom und leitete so einen Wehr ähnlich das Wasser in den Mühlkanal. Überschüssiges Wasser ging seitlich am Sachsenhäuser Ufer vorbei. Das große Gebäude, einst eine Fachwerkkonstruktion mit zwei Pansterädern, brannte mehrfach komplett nieder, zuletzt brannte das Sandsteingebäude mit nun drei höhenverstellbaren Wasserrädern (Pansterräder) im vorigen Jahrhundert völlig aus und wurde nicht wieder aufgebaut. Der Mühlkanal ist zugeschüttet und nur die Grundmauern berichten von diesem wichtigen und wohl größten Mühlenkomplex der Stadt. Heute ragt eine moderne Galerie an der Stelle auf der Maininsel empohr, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Mühlengebäude gemein hat.

Auf alten Stichen finden wir auf Sachsenhäuser Seite knapp hinter den Insel noch eine Mühle, und auf Frankfurter Seite finden sich auf Stichen Hinweise, das hier mehrere Wasserräder sich im Strom des Mains drehten, die Mainmühle. Heutige Hinweise gibt es nicht mehr, vielleicht nur Wert für eine Anfrage ans städtische Archiv. Letztendlich bleibt aber das Wissen, daß viele Archivinhalte im Krieg verloren gegangen sind. So fehlt von der Frankfurter Mainmühle heute jede Spur, da diese heute sich dort befinden würde, wo die Uferstrase sich ihren Weg bahnt. Von der Frankfurter Windmühle, die man auf Stichen erkennt, existiert nur noch ein Strassenname, Windmühlstraße, der vielleicht zeigt, wo auf diesen alten Stichen eine Bockwindmühle vor den Stadtmauern sich im Wind drehte.

Weitere Hinweise konnte ich stromab des Mains nicht mehr finden, oder entziehen sich meiner Kenntnis. Einzig die Reste der Brückmühle sind stummer Zeuge der einzigen wichtigen Triebkraft des Mains....

Nidda:

Der zweitgrößte Strom der heute das Stadtgebiet bestimmt, und einen großen Naherholungsbereich bestimmt. Leider ein Strom der wechselhaften Geschichte. Noch vor den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts war die Nidda bereits begradigt und vielen Mühlen damit das Wasser förmlich abgegraben, und so finden sich heute nur noch wenige Zeugnisse, dass einst auch die Nidda wichtige Antriebskraft für Mühlen gewesen war. Im Stadtteil Bonames musste das Renaturisierungsteam, welches die Schäden der Niddabegradigung versucht wieder wett zu machen, dies deutlich erfahren. Großes Gerät war nötig, die alten Fundamente des Mühlwehres abzubrechen, und zu entfernen. Die Mühle selbst steht in Teilen noch, beherbergte Möbelhäuser, Galerien und Archetikturbüros. Wenig ist heute davon noch zu ersehen, und was die Leute vom Grüngürtel Team als Altarm bezeichnen, weiß der Kenner als Mühlkanals zu entdecken, jetzt liebevoll renaturalisiert....

Stromab findet sich dann das Eschersheimer Wehr, diese Wehre wurden in den begradigten Flusslauf eingebaut, als Abhilfe für die umbauten oder vom neuen Flussbett abgelegenen Wehrbauten der Mühlenbetriebe. So ist dieses moderne, selbstregelnde Wehr der letzte Hinweis darauf, dass sich in Escherheim einst auch eine große Mühle am Strom der Nidda befand. Erhalten ist auch das alte Wehr. Blickt man auf alte Stadtkarten, so fällt auf, daß sich der Altarm der Nidda dort befand, wo heute das Escherheimer Freibad sich befindet. Nach Informationen der Bäderbetriebe Frankfurt ist daher bei der Begradigung der Nidda aus dem ehemaligen Mühlstau das Freibad entstanden. Auch das Wehr hat man benutzt, und es in eine große Rutschbahn umgestaltet. Das Becken unterhalb der Rutsche ist daher der Unterwasserspiegel der alten Mühle, und man kann am oberen Becken noch erkennen, wo der alte Mühlkanal abzweigte. Somit ist das alte Wehr der Eschersheimer Mühle auch noch erhalten, und dient heute Groß und Klein als Badespaß. Eine Interessante Nutzung alter Bausubstanzen. Ältere Stadtbewohner meinen, daß schon früher im Mühlstau gebadet wurde, und daher die Umgestaltung zum Freibad aufgrund dieser Tradition erfolgt sein dürfte.
Weiter Stromab treffen wir auf das Praunheimer Wehr, und wie ein Kleinod verbirgt sich nur wenige Meter abseits am Altarm der Nidda das große sandsteinerne Streichwehr der Praunheimer Mühle.

Streichwehr der Praunheimer Mühle
Das Streichwehr der Praunheimer Mühle

Immer noch strömt hier Wasser über das Wehr, dessen einstige Ausmaße heute unter Bewuchs fast völlig unscheinbar wirken. Auch von der Mühle selbst stehen noch Gebäude und beherbergen heute ein Wohnheim für Behinderte Mitmenschen. Es ist wohl der markanteste Mühlenrest am Strom der Nidda in Frankfurt, und im Zuge der Renaturisierung der Stroms könnte man mühelos dieses Wehr wieder in Betrieb nehmen, wenn der Storm ins Alte Bett zurück verlegt wird. Dann könnte auch der Mühlkanals wieder mit Wasser versorgt werden und ein Mühlrad als Denkmal der einstigen Bedeutung könnte hier wieder sich drehen und dem Besucher die einstige Wichtigkeit des Wassers als Antriebsquelle vor Augen geführt werden. Doch solche Gedanken sind Träumerei, auch wenn möglich.

Stromab der Nidda finden wir nun in Rödenheim noch den alten Mühlkanal, wo auch hier eine Größere Mühlenanlage mit Wasserkraft versorgt wurde, aber die Mühle ist so wie alle anderen heute vergessen, die Wasserkraft bleibt ungenutzt....

Kropfgerinne im Rödelheimer Mühlkanal
Die Radgruben der beiden Räder in Rödelheim an der Insel

Besonders bei Niedrigwasserstand im Rödelheimer Mühlkanal konnte man bis zum Frühjahr 2010 man noch einige Kropfgerinne ehemaliger unterschlächtiger Waserräder erkennen. Im Frühjahr 2010 entschloß man sich diese unnötigen Relikte alter Wasserkraftnutzung zu entfernen. Die sandsteinernen Gerinne wurden abgetragen oder abgebrochen und mit Lagen aus schweren Basalt Steinen überdeckt, so daß eine Solgleite am ehemaligen Nutzgefälle der Wasserkraftanlage entstand. Nur noch die aufgebahrten Mühlsteine erinnern jetzt an die alte Mühle hier, eine Hinweistafel, oder eine mögliche Reaktivierung der Wasserrkaftanlage zur Kleinstenergiegeweinnugn ist nicht gemacht worden, noch überhaupt in Erwägung gezogen worden.
Erneut ist ein Standort eine beudetenden Mühlenanlage ein Stück weiter in Richtung Vergessenheit getrieben worden, weshalb ich glücklich bin, zumindest den Stand im Bild festgehalten zu haben, bevor die Umauten zur Solgleite gemacht wurden. Ein Stück wahre und echte Mühlenarchäologie ist damit geglückt, wenn auch nicht perfekt oder vollständig, wie man es hätte machen sollen oder müssen, wenn man vom Umabu gewußt hätte.
Soweit dies zum Strom der Nidda, wohl gibt es ein weiteres Überfallwehr in Mündungsnähe im Stadtteil Höchst, doch hier ist wie in Eschersheim nichts vom Mühlenbetrieb geblieben.

Der Eschbach:

Der Eschbach betritt von Bad Homburg das Stadtgebiet und im Stadtteil Nieder-Eschbach befindet sich wohl der markanteste Mühlenrest im Ganzen Frankfurter Stadtgebiet.

ehemalige Mühle in Nieder-Eschbach
Das Mühlengebäude in Nieder-Eschbach

Schon von der Hauptstraße aus deutlich als Mühle zu erkennen, ragt der hohe weiße Bau über dem Bachbett auf, durch den Vorgarten ist der Unterwasserkanals in Richtung Eschbach zu erkennen und immer noch mit Wasser gefüllt. Tiefe und Breite des Kanals lassen darauf schließen, dass hier nie eine Wasserturbine Dienst getan hat, denn die geringe Wassermenge hätte kaum für den Betrieb einer Wasserturbine sinnvoll ausgereicht. Doch das ist nur Spekulation. Doch das Gebäude spricht seine eigene Sprache, als wichtiges Denkmal der Mühlen in Frankfurts Stadtgebiet.

Streichwehr der Eschbacher Mühle
Das Wehr der Mühle von Nieder-Eschbach

Stromauf, an den Tennisplätzen dann, finden wir die Kraftquelle dieser ehemals herrlichen Mühle. Dort befinden sich die deutlichen Überreste des Streichwehres, der Schieber zum Mühlkanal der sich noch heute bis zur Mühle hinzieht, allerdings trocken. Die Fallhöhe lässt den Schluss zu einen großen oberschlächtigen Wasserrad in der einstigen Mühle zu, Beweise dafür gibt es leider keine. Doch wenn Frankfurt sich dereinst besinnen sollte, eine einstige Mühle als Denkmal wieder aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, so bietet diese Anlage die allerbesten Voraussetzungen mit wenig Aufwand wieder zum drehenden Wasserrad zu kommen, nur ein wenig schwerer als in Praunheim, dafür ist aber wahrscheinlich die Mühle sogar wieder herstellbar. Doch auch das ist Träumerei und Illusion.
Stromab fließt der Eschbach dann durch den Frankfurter Stadtteil Harheim. An der Mühlgasse hinter dem Ortteilfriedhof stand dann die ehemalige Obermühle, weiter stromab nach dem Bürgerhaus direkt am Festplatz stand dann die Untermühle. Von beiden Standorten gibt es nur noch vage Reste, wenn überhaupt. Nach Harheim mündet der Eschbach in die Nidda.

Der Erlenbach:

Wie der Eschbach kommt der Erlenbauch aus dem Großraum Bad Homburg ins Stadtgebiet und im Stadtteil Nieder-Erlenbach befindet sich das Gut der ehemaligen Obermühle. Heute erinnert nichts mehr an den Mühlenbetrieb, denn das Gebäude liegt abseits des Gewässers und nur ein Mühlstein und die Gebäude erinnern an den ehemaligen Mühlenbetrieb.

Stromab finden sich dann noch Hinwiese auf die Untermühle, doch sind keine Überreste mehr zu finden, als vielleicht ein paar vage Indizien. Der Strom verlässt dann das Stadtgebiet in Richtung Bad-Vilbel/Massenheim, wo sich in Massenheim eine ähnlich interessante Anlage befindet, wie in Nieder-Eschbach. Auch hier ist der Wehrrest, Einlauf zum Mühlkanal und die gesamte Länge des Mühlkanals gut zu verfolgen, auch die Gebäude der Mühle sind noch vorhanden, stille Zeugen von Wasser-bewegter Zeiten.

Der Urselbach:

Dieses Gewässer hat wohl die bewegteste Mühlengeschichte. Allein in Oberursel gibt es einen richtigen Mühlenwanderweg, der dutzende Mühlenstandorte am Bach aufzeigt, und bewiest, welche wichtige Kraftquelle dereinst dieser Bach war. Auch befindet sich in Oberursel mit der Herrenmühle das einzige noch drehende Wasserrad im Umkreis! Auch wenn man es nur schwer sehen kann, sprechen wohl aber Indizien für dessen Existenz. Diese Indizien sind die Wasserwellen am Auslauf hinter dem Rad, die vom Entleeren von Kammern eines Rades sprechen, sowie der Intakte Mühlkanal und der mit Wasser stets gut gefüllte Einlauf zur Mühle... Hier ein Bild des imposanten 3 Meter im Durchmesser messenden Wasserrades, welches Porongelagert nahezu lauflos dreht, und Strom f̹r die Medien-Agentur in der Herrenmühle produziert.

Das Wasserrad der Herrenmü,hle in Oberursel
Das Rad der Herrenmühle in Oberursel, ein Hochlleistungsrad

Stromab kommen dann noch viele Standorte, wobei hier erähnenswert die Medi-Denta Schramm GmbH zu nennen ist, in deren Gebäude auch noch ein Wasserrad zu finden sein soll, auch in der ehemaligen Aumühle soll noch ein Wasserrad existieren. Dort ist heute die Firma Femso Kunststofftechnik ansässig. Wie jedoch bei der Firma Medidenta war auch die Firma Femso nicht bereit, die Reste der Wasserkraftanlage ablichten zu lassen. Doch das ist alles nicht Frankfurt, auch wenn das Wasserrad der Herrenmühle das Nächste zu Frankfurt ist, und Beweis ist, wie sinnvoll der Erhalt oder die Errichtung solcher Kleinkraftwerke sein kann. Auch für Frankfurt selbst, nur Frankfurt benimmt sich hier viel zu bürokratisch und hat für diese wichtigen Hinweise auf Industrie- und Handwerkskultur nichts übrig... Doch das werden wir auch noch lesen, denn wenn man wollte, könnte man.

Der Urselbach erreicht nach vielen attraktiven Mühlenstandorten erst in Niederursel Frankfurter Stadtgebiet, und macht dort seinem Namen als dem Mühlenstrom alle Ehre. Schon am Punkt wo der Bach den Stadtteil erreicht, finden wir die Überreste der Hohemühle, direkt gefolgt von der Papiermühle, heute ein Gastronomiebetrieb. Auch wenn ich die gegenüber liegenden Gebäude eher für diese Papiermühle halte, beharren Schriften als auch ältere Niederurseler Einwohner darauf, dass das Fachwerkhaus die eigentliche Papiermühle war, darüber die Hohemühle als die eigentliche Getreidemühle. Heute sitzt in dieser Mühle die Gemeinschaft Der Hof. Der Name ist nicht gut gewählt, sitzt diese Gemeinschaft in einem der schönsten Anwesen Frankfurter Mühlengeschichte. Doch heute ist die ehemalige Traufwand, wo das gut 3 bis 5 Meter messende Wasserrad hing gut zu sehen und nur durch einen angebauten Ein- und verbindungsdurchgang verbaut. An der Mühle selbst zeigt der gesamte Bau noch die typische Architektur einer großen,wahrscheinlichen Getreidemühle. Es ist ein für Mühlen bezeichnendens Gebäudeensemble, wenn auch nichts mehr an die Mühle selbst mehr erinnert. Auch die Gemeinschaft ´der hof´ legt darauf keinen Wert. Der Mühlbach muß von Weißkirchen aus nahe des Radweges gelaufen sein, machte dann einen 90° Knick nach Südwest, durchfloß den Hof und gelangte nun zu Radgrube, wo ein oberschlächtiges Rad den Dienst versehen haben muß. Davon ist heute nichts mehr zu sehen, bis auf Reste des Mühlgrabens von der Hohemühle zur Papiermühle, wo dann der Mühlgraben wieder in den Urselbach mündete. Es ist heute nicht mehr sicher, ob die Papiermühle ein ober- oder ein unterschlächtiges Rad besessen hat, sämtliche Reste sind hier durch die Vielzahl der Umbauten längst verschollen. In der Papiermühle ist heute ein Gasthof ansässig. Ob daher der Mühlstein an der Einfahrt wirklich zur Papiermühle passt, sei dahingestellt. Denn wenn die Papiermühle wirklich mal Papier- oder Pappenmühle war, so dürfte dieser Stein eher zu Hohemühle passen, als an die Einfahrt des Gasthofes. Es ist aber nicht tragisch, weil vom eigentlichen Mühlentechnischen Rest keine Spuren mehr zu finden sind. Direkt nach der Papiermühle finden wir im Strom des Urselbach die Reste eines Wehrbaus und die zugehörigen Gebäude bezeichnen den Standort der ehemaligen Schielarsmühle, wo auch noch Reste des Einlaufes zur Radstube zu finden sind. Hier mochte einst ein groÌÄes unterschlächtiges Rad Dienst getan haben, heute ist die Mühle Ponyhof und nur noch Reste des Mühlgrabes gehen unter Holzständen der Stallungen und durch dein kleinen Garten, die Zeichen der alten Nutzung sind. Radstube und Mühlengebäude machen einen sehr verwiterten Eindruck, weitere Reste sind hier nicht zu finden. An einem kleinen Fußweg finden wir dann die markanten Reste eines größeren Streichwehrs, auch ist der große Mühlkanal nicht zu verkennen, der sich heute noch mit einem Damm bis zur Mühle zieht. Er führt heute noch Wasser! Das Gebäude der großen Niederurseler Obermühle, immer noch in den Händen der Nachkommen der Müllerfamilie König beherbergt heute im Mühlgut einen Pferdehof, im Mühlengebäude eine Weinhandlung. In deren Verkaufsraum finden wir die großen Eichenbalken und die notdürftig verschlossenen Öffnungen der Decke sprechen Bände über die Vorgeschichte dieses Gebäudes, auch rauscht immer noch Wasser irgendwo durch das Gebäude, ungenutzt... Auch hier war niemand Bereit, ggf. Reste der Mühlentechnik zu zeigen.

Nachdem sich das Wasser aus dem Unterwasser der Obermühle sich mit dem Strom des Urselbach wieder vereint hat, finden wir am Krautgartenweg die markante Untermühle von Niederursel. Auch hier wohnen noch Nachfahren der Müller. Die Reste eines alten Unterströmwehres sind noch immer vorhanden und mitten durch den Hof läuft der breite Kanal zur Mühle. Der Betonkanal hat nach den freundlichen Aussagen der Besitzer einst drei große oberschlächtige Wasserräder angetrieben, davon zwei für die Getreidemühle und eines für die Ölmühle, die heute nicht mehr steht. Sie wurde im 2. Weltkrieg getroffen und brannte vollkommen nieder, und wurde nciht wieder errichtet. Der Besitzer wollte schon einmal die Mühle wieder herrichten, um mittels Wasserrad oder Turbine Strom zu erzeugen, aber er bekam weder bei Behörden noch bei Ämtern irgendeine Hilfe oder Genehmigung, so dass der Behördenaufwand höher und mühseliger war, als vielleicht die eigentliche Restaurierung. So verfällt der Kanal heute zusehens weiter. Schade, denn hier war die Möglichkeit am Besten... zudem war hier seitens der Besitzer erstmals ein guter Umgang mit der Vergangenheit und ein Bekenntnis zur Vergangenheit des Gebäudes zu verspüren.

Weiter Stromab folgt nun die sogenannte Neue Mühle, auch hier steht wohl nur noch ein Gebäude, die eigentlichen Mühlenanlagen sowie die wasserbaulichen Techniken sind nicht mehr vorhanden. Und ab dann erinnern nur noch Namen von Strassen und U-Bahn Haltestellen von der einstigen Bedeutung des Urselbaches für Mühlen. Es folgt der Kupferhammer, die Kaltmühle und die Sandelmühle. Zu erwähnen bleibt, daß aus dem Kupferhammer eine kleine Niederlassung eines größen Metallverarbeitenden Betriebes wurde, dafür aber die Mühle weichen mußte. Daher ist hier nichts mehr zu finden.
Dann mündet der Urselbach endlich in die Nidda, oberhalb des Eschersheimer Wehrs.

Es gibt noch weitere Gewässer, die eins wohl Mühlen betrieben haben, sicherlich auch Standorte, wo Windmühlen gestanden haben dürften, wie z.B. der bekannte Mühlberg in Sachsenhausen, doch auch hier sind keine Reste mehr vorhanden, oder gibt es noch Hinweise auf die Mühlenbewegte Vergangenheit. Daher möchte ich auf diese Standorte nicht eingehen.

Erwähnenswert sind jedoch die alte Mühle in Enkheim, wo ein VerschluÌÄstein auf die ehemalige Nutzung und Bedeutung des Gebäudes hinweist, und klar beelgt, wo einst das Wasserrad zu finden war. Das Gebäude ist am sogeanntne Quellenweg leicht zu finden und beschrieben.
Schwieriger ist es da schon, das Seckbacher Mühlchen zu finden. Es ist ein kleines Haus an einer Steigung im oberen Altstadtteil von Seckbach, und ist ebenfalls über den Quellenweg zu erreichen. Ein Satz Mühlsteine vor dem Haus sind die einzigen Reste der ehemaligen Vergangenheit, als hier noch oberirdisch Wasser floß.

Sollte ich nun doch einen sehenswerten Mühlenstandort übersehen haben, oder sogar einen aktiven Mühlenstandort übersehen haben, so genügt eine kurze e-Mail an mich.

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